Viele interessieren sich für Videoerstellung mit KI und finden sich mit verlockenden Angeboten konfrontiert. Die Praxis führt dann schnell zu Ernüchterung.
Der Grund: auf Verkauf getrimmte Werbekampagnen und ein cleveres Marketing. Zur Anwendung kommt eine gängige Marketingtechnik ist, die oft als „Lockvogelangebot“ oder „Bait-and-Switch“ bezeichnet wird: Ein attraktives Angebot wird beworben, das bei genauerer Betrachtung oder Nutzung unzureichend erscheint und den Kunden dazu bringt, mehr Geld auszugeben, um die erwartete Leistung zu erhalten. Sowohl bei Invideo als auch bei Kling AI gibt es Beispiele dafür, die wir anhand deiner Beobachtungen und der Daten aus der Tabelle und der Webseite invideo.io/pricing/ untersuchen können.
Invideo Plus-Plan: Marketingtechnik entlarvt
- Angebot: Der Plus-Plan wird mit „50 Minuten AI-Generation“ für 20 €/Monat (bei Jahresabrechnung) beworben, was großzügig klingt und den Eindruck erweckt, man könne 50 Minuten KI-generierte Videos erstellen.
- Realität: Laut der Pricing-Seite sind im Basispreis nur 60 Generative Credits enthalten, was 60 Sekunden generative Videoerstellung bedeutet. Das deckt gerade mal 2 % der beworbenen 50 Minuten (3.000 Sekunden) ab, wenn man rein generative Inhalte (z. B. Text-to-Video oder Foto-Animationen) erstellt. Für die restlichen 2.940 Sekunden müsste man zusätzliche Generative Credits kaufen (ca. 10 USD für 60 Credits, also etwa 9-10 € pro Minute).
- Taktik: Die 50 Minuten sind eine Export-Obergrenze, die mit Stockmedien oder eigenen Dateien voll genutzt werden kann, aber die generative Kapazität wird bewusst niedrig gehalten (60 Sekunden), um Nutzer zu weiteren Käufen zu bewegen. Das wird nicht sofort deutlich, sondern erst bei der Nutzung – wie du in der Testversion bemerkt hast, dass Generative Credits auch bei Foto-Animationen abgezogen werden.
Kling AI: Ähnliche Strategie
- Angebot: In der kostenlosen Testversion kostet ein 5-Sekunden-Video nur 10 Credits, und mit 66 Credits pro Tag wirbt Kling damit, dass man etwa 6 Videos täglich erstellen kann – ein verlockendes Angebot, um Nutzer anzuziehen.
- Realität: Nach Buchung eines Plans (z. B. Gold, Pro, Premier) steigen die Kosten auf 20 Credits pro 5 Sekunden im Standardmodus (laut klingai.com und deiner früheren Korrektur). Das halbiert die erwartete Leistung: Statt 33 Videos (165 Sekunden) mit 660 Credits im Gold-Plan bei 10 Credits pro Video bekommst du nur ~33 Videos (165 Sekunden) bei 20 Credits pro Video – die gleiche Zeit, aber doppelter Verbrauch pro Video.
- Taktik: Die Testversion suggeriert eine großzügige Leistung (10 Credits/Video), während die Bezahlversion die Kosten verdoppelt (20 Credits/Video), ohne das vorher klar zu kommunizieren. Das zwingt Nutzer, entweder mehr Credits zu kaufen oder mit weniger Inhalten auszukommen als erwartet.
Vergleich und Marketingstrategie
- Gemeinsamkeit: Beide Anbieter nutzen eine Diskrepanz zwischen beworbenem Angebot und tatsächlicher Basisleistung:
- Invideo: „50 Minuten AI-Generation“ klingt beeindruckend, aber nur 60 Sekunden davon sind ohne Zusatzkosten generativ nutzbar.
- Kling: 10 Credits pro Video in der Testphase suggerieren doppelte Kapazität im Vergleich zu den 20 Credits nach Buchung.
- Ziel: Kunden werden angelockt, testen das Tool und stellen bei der Nutzung fest, dass die Basisleistung nicht ausreicht. Das zwingt sie, Zusatzpakete zu kaufen (bei Invideo Generative Credits, bei Kling mehr Credits oder höhere Pläne), um die beworbene Funktionalität voll auszuschöpfen.
- Psychologie: Die niedrige Einstiegshürde (kostenlose Testversion, günstiger Basisplan) schafft Vertrauen und Bindung, während die eingeschränkte Leistung Frustration erzeugt, die durch Nachkäufe „gelöst“ werden kann – ein klassischer Upselling-Trick.